Politisches Votum in Gelsenkirchen. Die Chancen, dass die riesige Walcker-Orgel der Stadt Gelsenkirchen bald in der Papenburger St.-Antonius-Kirche erklingen kann, stehen bestens: Der Kulturausschuss der Stadt im Ruhrgebiet sprach sich am Mittwoch dafür aus.
Bei einer Enthaltung votierte das Gremium einstimmig dafür, das bereits seit zehn Jahren in restauriertem Zustand eingelagerte Instrument zum symbolischen Preis von einem Euro an die Pfarrei St. Antonius zu verkaufen und den Eigentumsübergang auf den 1. Januar 2056 zu datieren. Mit diesem Beschlussvorschlag wird sich nun der Gelsenkirchener Stadtrat in seiner Sitzung am 18. Mai zu befassen haben. Dann wird endgültig darüber entschieden, ob die Orgel im kommenden Jahr in Papenburg aufgebaut werden kann.
Drei Kriterien mussten erfüllt werden
Aus der Sitzungsvorlage des Kulturausschusses geht hervor, dass die Pfarrei St. Antonius im Werben um die die 98 Register und 6850 Pfeifen vorweisende Orgel das „ChorForum Essen“ und den Kirchenkreis Uckermark ausgestochen hat. Alle drei Konzepte wurden von der Stadtverwaltung an den drei Kriterien Realisierungschancen, Präsenz der Orgel im Musikleben und Erreichbarkeit für die Gelsenkirchener Bürger gemessen. Dabei lagen die Papenburger klar vorne. Die Finanzierung von einer Million Euro für Einbau und Intonation stehe, die Orgel würde künftig eingebunden in die „europäische Orgelstraße“ und bei regelmäßigen Konzerten erklingen sowie für die Ausbildung von Organisten und für Musikleistungskurse des Gymansiums genutzt. Auch die Erreichbarkeit Papenburgs sieht die Verwaltung aus ausreichend gegeben an. Ohnehin würden Gelsenkirchener Bürger gerne zum Urlaub in den Norden reisen. Diese hätten bei einem Zuschlag für Papenburg dann sogar vertraglich fixiert den Vorteil, alle Konzerte in der Antoniuskirche kostenlos besuchen zu können, wenn sie sich als Gelsenkirchener Bürger ausweisen können.
Konzert-Instrument wurde bis 2002 im Hans-Sachs-Haus bespielt
Das riesige Konzert-Instrument wurde bis zum Jahr 2002 im Gelsenkirchener Hans-Sachs-Haus bespielt. Vor zehn Jahren wurde die 1927 erbaute Orgel auf Basis der Walcker-Originalpläne durch die Orgelbaufirma Seifert aus Kevelaer fachkundig restauriert und auf den neuesten technischen Stand gebracht. Doch ein Wiederaufbau in Gelsenkirchen war räumlich nicht mehr möglich. Seitdem gab es immer wieder engagierte Orgelliebhaber, die mit Ideen und Vorschlägen an die Stadt herangetreten waren, wer die Orgel wo nutzen könnte. Bislang scheiterte das jedoch immer wieder an den zu erwartenden hohen Kosten.
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Text, Fotos: Hermann Hinrichs

