Geschichte der Walcker-Orgel
Monumentale Wunderorgel
Die Walcker-Orgel, die in unserer Papenburger Antoniuskirche eingebaut ist, gilt als eine der wichtigsten Orgeln der 1920er-Jahre. Experten betrachteten sie aufgrund ihres sinfonischen Klangs seinerzeit als „Wunderorgel„. Im Jahre 2027 werden wir das 100-jährige Jubiläum der Walcker-Orgel mit besonderen Konzerten, Veranstaltungen und einer einmaligen Festwoche begehen.
Kurzfassung
Im Jahr 2020 hat unsere Pfarrkirche St. Antonius eine neue Orgel bekommen. Statt eines Neubaus bot sich die einmalige Gelegenheit, die größte in Deutschland erhaltene Konzertsaalorgel aus der Weimarer Republik aus dem Gelsenkirchener Rathaus, dem Hans-Sachs-Haus, zu übernehmen. Dies war möglich, weil die Stadt Gelsenkirchen einen neuen Standort für die Orgel suchte und der Kirchenraum von St. Antonius ideale Voraussetzungen für solch ein großes Instrument bietet.

Von Anfang an …
Erbaut für das Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen wurde die Orgel 1927 durch die renommierte Orgelbaufirma Walcker in Ludwigsburg. Mit 92 Registern, die sich auf Hauptorgel und Fernwerk aufteilten, und einem außergewöhnlich rationalem Klangkonzept, welches den Stil der Spätromantik mit dem der frühen Orgelbewegung verknüpfte, wurde sie damals als Wunderorgel tituliert. In den 1990er-Jahren richtete die Stadt Gelsenkirchen einen Orgelwettbewerb aus, der schnell internationales Renommee erlangte.
Das originale Fernwerk: Der 18-Meter-Schallkanal
Bei der Konzeption für das Gelsenkirchener Hans-Sachs-Haus im Jahr 1927 stand die Orgelbaufirma Walcker vor der Aufgabe, das Fernwerk architektonisch und akustisch in den Saal zu integrieren. Die Techniker platzierten das Werk weit entfernt über der Saaldecke. Der Schall wurde über einen quadratischen Holzkanal zum Saal geleitet, der eine Länge von 18 Metern und einen Durchmesser von 2,5 Metern aufwies. Um den Klangcharakter an den Raum anzupassen und scharfe Obertöne zu minimieren, wurden im Inneren des Kanals versetzte Querwände eingebaut. Diese Konstruktion dämpfte den Schall gezielt ab und erzeugte die für die Spätromantik typische, indirekte Raumakustik.
Auslagerung und Schutz im Zweiten Weltkrieg
Während des Zweiten Weltkriegs war das Ruhrgebiet ab 1944 verstärkt Luftangriffen ausgesetzt. Zum Schutz vor der Zerstörung wurde die Orgel im selben Jahr vollständig demontiert. Das gesamte Pfeifenwerk wurde nach Büren (nahe Paderborn) transportiert und dort eingelagert. Da das Hans-Sachs-Haus bei den Angriffen schwer beschädigt wurde, verhinderte diese rechtzeitige Evakuierung den Verlust des originalen Pfeifenbestands von 1927. Nach dem Wiederaufbau des Saales konnte das Instrument 1949 wieder in Betrieb genommen werden.
Die Orgel wurde mehrmals umgestimmt, später das Fernwerk aufgegeben, die Hauptorgel um „aufhellende“ Stimmen minderer Qualität ergänzt. Ein moderner Spieltisch in nüchterner Ästhetik ersetzte den ursprünglichen. Ein sukzessiver Umbau auf Schleifladen führte zu erheblichen Klangeinbußen. Firma Seifert aus Kevelaer erhielt Anfang der 2000er-Jahre den Auftrag zur Rekonstruktion des Originalzustands.

Eigentumswechsel nach Papenburg
Nach verschiedenen Nachkriegs-Umbauten, die zu erheblichen Klangeinbußen führten, und der späteren Neugestaltung des Hans-Sachs-Hauses suchte die Stadt Gelsenkirchen nach einem neuen Standort. Ein adäquater Verbleib im dortigen Neubau war aus Platzgründen nicht mehr möglich.
Da der Kirchenraum von St. Antonius in Papenburg die baulichen und akustischen Volumenvoraussetzungen für das Instrument erfüllte, wurde im Mai 2017 ein Überlassungsvertrag geschlossen. Die Stadt Gelsenkirchen übergab die Orgel zu einem symbolischen Kaufpreis von 1,00 Euro an die Kirchengemeinde St. Antonius, die im Gegenzug – von Sponsoren unterstützt – die Kosten für den Abbau und die anschließende Restaurierung übernahm.
Rekonstruktion und Bestand
Der Aufbau in St. Antonius erfolgte durch Orgelbau Seifert. Die künstlerische Gestaltung mit zeitgenössischem, pfeifenlosen Prospekt durch Architekturbüro Königs, Köln, nimmt Bezug auf die ursprüngliche Situation im Gelsenkirchener Hans-Sachs-Haus. Die silberfarbenen, zu den Schallöffnungen aufgebogenen, Lamellen bewirken eine changierende Reflexion des einstrahlenden Lichtes.
Vollständig erhalten ist das Pfeifenwerk der Hauptorgel von 1927. Das Fernwerk wurde 2005 nach Originalplänen rekonstruiert, ebenso die Windladen. Der konstruktive Aufbau in Papenburg ist neu. Die Anlage besteht aus der dreiteiligen Hauptorgel und dem als Chororgel umgewidmeten Fernwerk im südlichen Querschiff, davor ein Chorpodest. Für den neuen, technisch und ergonomisch zeitgemäßen, Spieltisch sind drei Anschlussmöglichkeiten zu ebener Erde vorgesehen. Das ermöglicht gute Abhörbarkeit und Kontrolle der Klangbalance.

Die reiche Konzertgeschichte ist auf www.walcker-orgel-gelsenkirchen.de lückenlos dokumentiert, ebenso die Baugeschichte.
Quellen: Pfarrei St. Antonius, Walcker-Orgel Gelsenkirchen
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