Drei neue Wunschkonzerte für die Walcker-Orgel

Drei neue Wunschkonzerte für die Walcker-Orgel

Gelsenkirchen. Seit 2007 liegt die Gelsenkirchener Walcker-Orgel eingelagert bei der Orgelbaufirma Seifert in Kevelaer. Jetzt gibt es gleich drei neue Kaufinteressenten.

Alexander Eberle, künstlerischer Leiter des Chor-Forums an der Kronprinzenstraße im Essener Südviertel, hat im Auftrag des Chor-Forums den Hut für den Kauf der Gelsenkirchener Walcker-Orgel in den Ring geworfen.
Alexander Eberle, künstlerischer Leiter des Chor-Forums an der Kronprinzenstraße im Essener Südviertel, hat im Auftrag des Chor-Forums den Hut für den Kauf der Gelsenkirchener Walcker-Orgel in den Ring geworfen.© WAZ FotoPool

Im kommenden Jahr feiert die kostbare Walcker-Orgel, die 1927 für den Konzertsaal des alten Hans-Sachs-Hauses geschaffen wurde, ihren 90. Geburtstag. Ob sie sich in ihrem Jubeljahr allerdings selbst ein Ständchen spielen darf, ist noch ungewiss: Seit 2007 liegt die „Königin der Instrumente“ aus Gelsenkirchen eingelagert bei der Orgelfirma Seifert in Kevelaer – nach dem Umbau des Hans-Sachs-Hauses fand sich kein Platz mehr für das Prunkstück in dieser Stadt. Jetzt haben gleich drei Interessenten ein Angebot für die Prachtorgel vorgelegt.

Das stumme Instrument

Die fachgerechte Einlagerung der Walcker-Orgel kostet die Stadt Gelsenkirchen im Jahr einen hohen vierstelligen Geldbetrag. „Dieses Geld ist allerdings nicht der entscheidende Punkt dafür, dass wir uns für die Walcker-Orgel ein neues Zuhause wünschen“, betont Dr. Volker Bandelow, der Leiter des Gelsenkirchener Kulturreferates.

„Viel entscheidender für uns ist, dass das gute Stück vor der Einlagerung für 1,1 Millionen Euro restauriert wurde, einen neu gestalteten Spieltisch hat – und bis heute nicht mehr zum Klingen gebracht werden konnte. Das ist echt schade. Und da wir in Gelsenkirchen mehrere Standorte geprüft haben, aber zu dem Schluss gekommen sind, dass die denkmalgeschützte Walcker-Orgel in ihrer jetzigen Form hier in keinen Raum passt, sind wir froh über Anfragen aus anderen Städten und Gemeinden“, erklärt er.

Dabei sind drei Anfragen inzwischen so konkret, dass sich Dr. Volker Bandelow in der letzten Sitzung des Kulturausschusses offizielle Verhandlungsmandate einholte: Die Katholische Kirchengemeinde St. Antonius im niedersächsischen Papenburg erwägt den Kauf der Orgel, um mit ihrer „eindrucksvollen Klangwirkung die Gottesdienste in bisher nicht gekannter Weise zu bereichern“, so heißt es im Anschreiben des Orgelfachmanns Professor Dr. h.c. Harald Vogel.

„Es besteht die einmalige Gelegenheit, dieses hervorragende Instrument in einem adäquaten Raum wieder aufstellen zu können. […] Es ist zu erwarten, dass in der vorzüglichen Akustik von St. Antonius in Papenburg die Wirkung in allen Facetten des Klangtimbres und der dynamischen Schattierungen sogar besser zur Wirkung gelangt als in der Saalakustik in Gelsenkirchen“, heißt es dort weiter.

Chor-Forum Essen will regelmäßige Konzertreihe

Ähnlich argumentiert auch Hannes Ludwig, der Kreiskantor im Kirchenkreis Uckermark im Nordosten Brandenburgs: „Die Orgel würde in einer der bekanntesten Bauten der norddeutschen Backsteingotik aufgestellt werden, der St. Marienkirche zu Prenzlau, der ersten Hallenkirche Norddeutschlands.[…] Zwischen den Achsen Berlin-Ostseeküste und Hamburg-Polen wäre dieses Instrument mit Abstand das Größte, auf einer Fläche von rund 140.000 Quadratkilometern völlig konkurrenzlos.“

Zudem seien durch eine Förderung des Bundes bereits 850.000 Euro für den Neubau einer Orgel-Empore und der Teilförderung einer großen Orgel vorhanden, so Hannes Ludwig im Bewerbungsschreiben an die Stadt Gelsenkirchen. „Die Orgel würde auch wieder in ein regelmäßiges Orgelfestival, den ‘Uckermärkischen Orgelfrühling’ eingebunden werden.“

Eine solche regelmäßige Konzertreihe strebt auch der dritte Bewerber um die Walcker-Orgel, die Stiftung Chor-Forum Essen, an. Deren Künstlerischer Leiter und Stiftungsvorstand Alexander Eberle, seines Zeichens auch kommissarischer Chordirektor am Musiktheater im Revier, schreibt in der offiziellen Bewerbung: „Neben der Tatsache, dass der mögliche Standort, der denkmalgeschützte Kirchenraum von Dominikus Böhm, sehr geeignet für ein Instrument dieser Größe und dieser Zeit ist, interessiert mich und uns natürlich auch die Möglichkeit der Realisierung eines derartigen städteübergreifenden Projektes innerhalb der Ruhrmetropole.“

Essen als Standort favorisiert

Aus technischer Sicht kommen laut Kulturreferat alle drei Bewerberstandorte als neue Heimat für die Gelsenkirchener Walcker-Orgel in Frage: „In allen drei Fällen ergab die Vorprüfung durch die Firma Orgelbau Romanus Seifert & Sohn, dass der Einbau unter technischen und akustischen Gesichtspunkten möglich und sinnvoll ist“, heißt es in einer offiziellen Bewertung.

„Für mich ist die entscheidende Frage, welcher der Standorte unserer Walcker-Orgel am meisten gerecht wird“, sagt Dr. Volker Bandelow. Die Verhandlungen würden daher sehr unvoreingenommen laufen, jeder Standort genau geprüft. „Man muss auch bedenken, dass allein für die Intonation der Orgel, also das Einstimmen auf den Raum, rund 115.000 Euro anfallen werden. Es ist also mit den Anschaffungskosten alleine nicht getan, man muss auch die Instandhaltungskosten mit einkalkulieren“, so Bandelow. Die meisten Mitglieder des Kulturausschusses machten aus ihrer Meinung keinen Hehl: Sie favorisieren Essen als Standort für die Walcker-Orgel, wenn schon Gelsenkirchen keine Option sei. Die Entscheidung liegt allerdings zunächst bei der Verwaltung, ein Beschluss muss dann vom Rat der Stadt gefällt werden.

Die Gelsenkirchener Walcker-Orgel hat übrigens eine eigene Internetseite. Wer mehr Informationen zu diesem klingenden Schmuckstück erhalten möchte, kann sich hier durchklicken.

Hier gelangen Sie zum Artikel der WAZ.

Text: Anne Bolsmann, Foto: Stadt Gelsenkirchen