Riesen-Orgel soll in Papenburg erklingen

Riesen-Orgel soll in Papenburg erklingen

Die größte Konzertorgel Deutschlands könnte schon 2018 in der St.-Antonius-Kirche in Papenburg stehen. Die Stadt Gelsenkirchen will das Instrument verkaufen. Für einen Spottpreis.

Papenburg/Gelsenkirchen – Die größte Konzertorgel Deutschlands könnte schon bald in Papenburg stehen: Die St.-Antonius-Kirche will eine Walcker-Orgel aus dem Jahr 1927 von der Stadt Gelsenkirchen im Ruhrgebiet kaufen – für einen symbolischen Wert von einem Euro. Die Orgel wäre damit ein Schnäppchen, allerdings kostet die Überführung und der Einbau eine Million Euro.

Pfarrer Franz-Bernd Lanvermeyer ist es das aber definitiv wert, sagt er. Er wolle alles versuchen, um das Geld aufzutreiben – wenn die katholische Kirchengemeinde das Instrument kaufen darf. Die Entscheidung fällt am 18. Mai der Stadtrat in Gelsenkirchen. „Für uns wäre das ein echter Glücksgriff“, sagt Lanvermeyer. Denn die katholische Kirche St. Antonius in Papenburg wird seit nunmehr 43 Jahren von einer Bedarfsorgel bespielt, die eigentlich viel zu klein ist für das 1000 Menschen fassende Gotteshaus. „Wir hatten uns bereits nach einem Neubau erkundigt – aber eine halb so große Orgel würde schon 1,5 Millionen kosten.“

Lanvermeyer hofft auf Förderung

Die 90 Jahre alte Walcker-Orgel ist mit 98 Registern und 6850 Pfeifen bestückt. Das Instrument war bis 2002 im Gelsenkirchener Hans-Sachs-Haus bespielt worden. Als das Haus umgebaut wurde, war kein Platz mehr für die Orgel. „2007 hat die Stadt Gelsenkirchen die Orgel für eine Million Euro fachgerecht restaurieren lassen“, so Lanvermeyer. Seitdem liegt das 25 Tonnen schwere Instrument verteilt auf Hunderte Kisten eingelagert in einem alten Munitionslager in Kevelaer am Niederrhein. Sollte die Orgel bald nach Papenburg umziehen, dann hätte Papenburg nach Angaben von Lanvermeyer die größte Orgel im Bistum Münster.

Pfarrer Lanvermeyer ist optimistisch, dass die Gemeinde mit finanzieller Unterstützung das Millionenprojekt stemmen kann. „Wir haben bereits Förderanträge gestellt.“ Das Bistum Osnabrück habe bereits eine Förderung von 200 000 Euro zugesagt, ein Antrag über 100 000 liege bereits beim Bund. Lanvermeyer hofft auf weitere Sponsoren. „Aber wir müssen nun erstmal die Entscheidung des Stadtrates abwarten“, sagt er. Die Stadt habe bereits ihre Empfehlung für eine Zustimmung ausgesprochen.

Orgel gleicht einem Symphonieorchester

„Ein Argument für uns als Standort ist sicherlich, dass die Orgel dann jedes Wochenende von rund 1000 Kirchgängern gehört würde. Und auch, dass sie zu Ausbildungszwecken dient“, so Lanvermeyer. Denn der Papenburger Organist und Regionalkantor für Ostfriesland, Ralf Stiewe, will angehende Organisten an dem Instrument schulen. „Auch die Besucher werden einen Unterschied hören“, sagt er. Es sei damit viel besser möglich, Emotionalität zu vermitteln. „Uns steht dann eine riesige Klangpalette zur Verfügung“, so Stiewe, „das ist fantastisch.“ 

Die Walcker-Orgel mit 98 Registern gleiche einem Symphonie-Orchester. Die jetzige Orgel habe nur 26 Register und gut 1800 Pfeifen und sei vergleichbar mit einem Orchester, das nur ein Viertel der Musiker beinhaltet und bei dem die Bass-Bläser fehlen. „Eine große Orgel wird man im Magen spüren – der Unterschied wird bemerkenswert sein“, sagt Lanvermeyer. Der Pfarrer rechnet damit, dass die Überführung und der Aufbau der Orgel mehrere Monate dauern wird.

Lesen Sie hier den Artikel des General Anzeiger.

Text: Ute Nobel, Foto: General Anzeiger