So ist die Walcker-Orgel in Papenburg wiederauferstanden

So ist die Walcker-Orgel in Papenburg wiederauferstanden

Instrument eingeweiht. Sie ist die größte Orgel in Niedersachsen, die Walcker-Orgel in St. Antonius in Seit dem Wochenende begleitet sie die Gottesdienste in der Kirche. Die Weihefeier vermittelte aber auch einen Eindruck über den Charakter des beeindruckenden Instruments als Konzertorgel.

„Orgel erwache vom Schlaf“, rufen ihr Sprecher beim Weiheritus zum Auftakt der Abendmesse am Freitag in der St.-Antonius-Kirche zu. Regionalkantor Ralf Stiewe lässt als Antwort der Orgel ein „müdes Gähnen“ erklingen. Im Verlauf des Dialogs werden die Töne des Instrument lebendiger. Die Walcker-Orgel erwacht.

„19 Jahre hast du geruht. Jetzt ist es gut. Seit 1927 hast du in Gelsenkirchen mit deinen Fähigkeiten die Herzen der Menschen berührt. Nimm deinen Dienst am neuen Ort wieder auf“, spricht Messdiener Hanno Meyer die Orgel an. Seine Worte heben auf das Baujahr des Instruments ab, das bis 2001 im Konzertsaal des Hans-Sachs-Hauses in Gelsenkirchen gespielt wird. Dann lagert es die Stadt bei der Orgelbaufirma Seifert in Kevelaer ein. Vor drei Jahren erwirbt die Pfarrei St. Antonius die Walcker-Orgel und erweckt sie aus dem Schlaf.

Die fünf Klangtürme über dem Eingangsportal des Papenburger Gotteshauses beherbergen mehrere tausend Pfeifen.

Heinz Kauscher, stellvertretender Vorsitzender des Kirchenvorstandes, erinnert an den „langen arbeitsreichen Weg der hinter uns liegt“. Worte des Dankes richtet er an die Stadt Gelsenkirchen, „die uns die Orgel anvertraut hat“, und an alle an dem Projekt beteiligten. Dem schließt sich Susanne Bohse, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, an und betont: „Wir freuen uns auf die vielen Dinge, die in Zukunft mit der Musik in unserer Gemeinde möglich sind.“

Pfarrer Franz Bernhard Lanvermeyer betrachtet die Walcker-Orgel als „Geschenk für die Kirchengemeinde“. Möge ihre Musik die Herzen der Zuhörer berühren und „Frucht bringen für Papenburg“, lenkt er über St. Antonius hinaus den Blick auf die gesamte Stadt. Mit Weihwasser und Weihrauch segnet der Geistliche die Orgel für ihren Dienst in den Gottesdiensten.

Der Antonius-Chor unter Leitung von Regionalkantor Ralf Stiewe begleitete musikalisch den Gottesdienst zur Orgelweihe.

Knapp 200 Gläubige wohnen der festlichen Stunde bei. Ohne die Einschränkungen durch die Corona-bedingten Abstandsvorgaben und Hygienevorschriften fasst das Gotteshaus nahezu 1.000 Menschen. Zur Orgelweihe hat die Pfarrei gut die Hälfte der zur Verfügung stehenden Plätze über Anmeldungen vergeben. Den weiteren Part stellen das Liturgieteam, die Sängerinnen und Sänger des Antonius-Chores, Mitglieder der Kirchengremien sowie Mitarbeiter der Orgelbaufirma. Mehrere Hundert Zuschauer verfolgen die Feier indes über Youtube. Das JuZ-TV des Jugendzentrums Papenburg bedient bei seiner Übertragung dabei eine Reihe von Kanälen. 

Ursprünglich sollte ein öffentlicher Festakt bereits Ende Mai stattfinden, und für Mitte Juni war ein großes Eröffnungskonzert geplant. Beides ist jetzt für Anfang Juni kommenden Jahres ins Auge gefasst. Die Corona-Pandemie hatte generell den Montageplan für die Orgel aus dem Tritt gebracht. Doch nach 14-monatiger Bauzeit konnte das Werk im August vollendet werden. Die Installation der Walcker-Orgel kostet rund eine Million Euro. Zudem bringt die Pfarrei einen mittleren sechsstelligen Betrag für bauliche Veränderungen in der Kirche auf.

Professor Martin Sander spielte als erster Solist nach der kirchlichen Weihe ein Konzert an der Walcker-Orgel.

In der Walcker-Orgel, die aufgrund ihres sinfonischen Klangs in den 1920er-Jahren das Etikett „Wunderorgel“ erhielt, erklingen in 99 Registern mehr als 7200 Pfeifen. In einem halbstündigen Konzert nach dem Weihegottesdienst entfaltet Professor Martin Sander den Klangreichtum des Instruments. Für seinen Vortrag wählt der international renommierte Konzertsolist und Hochschuldozent an Akademien in Detmold und Basel Werke von Felix Mendelsohn Bartholdy, Johann Sebastian Bach und Franz Liszt. Den anhaltenden Beifall der Zuhörer nimmt Sander nach dem Konzert sichtlich angetan mit mehreren tiefen Verbeugungen entgegen. Die Geste verbindet er mit einer anerkennend applaudierenden Wertschätzung in Richtung der Walcker-Orgel.

Hier gelangen Sie zum Bericht der NOZ über die Weihe der Walcker-Orgel am Freitag, den 11.09.2020.

Text, Fotos: Klaus Dieckmann