Das Musikfest Bremen bildet den kulturellen Höhepunkt des Jahres in der Hansestadt. Dabei tragen die Bremer das Festival über die Stadt hinaus in die Fläche Niedersachsens und füllen ausgewählte Orte mit bemerkenswerten Konzerten. Die fruchtbare Kooperation mit dem Kulturreferat der Stadt Papenburg führte nun bereits zum dritten Mal zu einem herausragenden Konzert in der Antoniuskirche: einem Soloabend mit Olivier Latry, Titularorganist an der Kathedrale Notre Dame, Paris. Der wohl berühmteste Organist der Welt konzertierte nach 2022 bereits zum zweiten Mal an der Papenburger Walcker-Orgel und beschenkte das Publikum mit französischer Orgelhochkultur. Dieses besondere Ereignis zeichnete der Deutschlandfunk auf und sendete es im Rahmen der Reihe „Konzertdokument der Woche“ Anfang 2025.
Olivier Latry spielt seine Programme komplett auswendig. Das Publikum, welches den Künstler am Spieltisch in der Kirchenmitte erlebt, wird unmittelbar durch seinen fokussierten Vortrag in den Bann gezogen. Die Musik, virtuos und technisch vollkommen, begeisterte und berührte gleichzeitig in ihrem musikalischen Tiefgang. Latry trat in einen regelrechten Dialog mit dem symphonischen Klangfarbenreichtum des Instruments und krönte den Abend mit einer Improvisation über mehrere Themen, einer Kunst, die vor allem an der Orgel lebendig ist. So wurde das Konzert zu einem Hochgenuss, der noch lange nachwirkte.
Text: Ralf Stiewe, Fotos: Patric Leo (Veranstalter: Musikfest Bremen)
Programm
Johann Sebastian Bach: Präludium und Fuge e-Moll BWV 548
Johannes Brahms: »O Gott, du frommer Gott« op. 122/7, »Es ist ein Ros’ entsprungen« op. 122/8, Praeludium und Fuge g-Moll WoO 10
Louis Vierne: Sinfonie Nr. 3 fis-Moll op. 28 (Adagio)
Alexandre Guilmant: Sonate Nr. 1 op. 42 (Finale)
Camille Saint-Saëns: »Le Carnaval des animaux« (Auszüge)
Marcel Dupré: Praeludium und Fuge g-Moll op. 7/3
Olivier Latry: Improvisation
„Weltweit renommierter Solist spielt auf legendärem Instrument – so könnte man das Aufeinandertreffen von Olivier Latry mit der Walcker-Orgel [am 01.09.2024 um 19:30 Uhr, Anm. d. Red.] in Papenburg betiteln. Der eine ist seit fast 40 Jahren Titularorganist der Pariser Kathedrale Notre-Dame und als Virtuose seines Fachs bereits in mehr als 50 Ländern aufgetreten. Das Papenburger Instrument wiederum ist mit seinen 92 Registern und 7.262 Pfeifen die größte heute in Deutschland noch erhaltene Orgel aus der Weimarer Republik. Das kann bei einem Meister der Registrierung wie Latry nur spannend werden! Mit Johannes Brahms im Zentrum stellt er interessante Querbezüge her – zum Barockmeister Bach wie zu Komponisten wie Marcel Dupré, einem französischen Klassiker der Moderne, und Louis Vierne, einem Vorgänger in Latrys Pariser Amt. Daneben bleibt auch noch Raum für sein atemberaubendes Können in der großen Tradition der französischen Improvisationskunst.“
Text: Musikfest Bremen

