Eröffnung an Palmsonntag fraglich. Die Walcker-Orgel in der St.-Antonius-Kirche in Papenburg nimmt weiter Form und jetzt auch Farbe an. Für die Verkleidung der mächtigen Orgelkörper haben sich die Verantwortlichen ein besonderes Material in silberner Färbung ausgesucht. Fraglich bleibt allerdings, ob der Eröffnungstermin an Palmsonntag gehalten werden kann.

Die Antonius-Kirche gleicht aktuell noch einer Baustelle: Der hintere Bereich des Kirchenschiffs ist abgesperrt, Bänke sind abmontiert, der Orgelboden ist von einem meterhohen Gerüst umgeben, es wird gehämmert und gesägt. Adventlich und besinnlich mutet das Gotteshaus derzeit nicht an. Doch zum Weihnachtsfest soll das anders aussehen: „Nach dem dritten Advent soll das Gerüst abgebaut werden. Wir hoffen, dass wir an Weihnachten die Kirche von hinten offen haben und die Bänke wieder montiert sind“, sagt Pfarrer Franz-Bernd Lanvermeyer. Der Rohbau werde bis dahin abgeschlossen sein.

„Im Wesentlichen werden sich die Arbeiten dann in den Orgeltürmen abspielen“, so Lanvermeyer. Hier müssten Stromanschlüsse für die Beleuchtung und Windkanäle von der Windmaschine zu den Orgeltürmen gelegt werden. Im Frühjahr 2020 folge dann die umfangreiche Arbeit des Intonateurs, der den Klang der Orgel abstimme. Für diese Tätigkeit sind laut Lanvermeyer 14 Wochen angedacht.
Eröffnungstermin an Palmsonntag steht in Frage
Zeitlich gesehen sei man etwas in Verzug: „Wir sind noch nicht so weit wie gehofft“, gibt Lanvermeyer zu. Ob die Walcker-Orgel tatsächlich zum geplanten Termin am Palmsonntag, 5. April, eröffnet und von Bischof Franz-Josef Bode geweiht werden könne, ließ der Pfarrer offen. Bereits zu Beginn des Jahres 2019 war der Eröffnungstermin um mehrere Monate nach hintern verschoben worden.
Das Augenmerk der Verantwortlichen liegt nun aber erst einmal auf den Arbeiten in der Vorweihnachtszeit. Und hier steht aktuell die außergewöhnliche Verkleidung der Orgeltürme im Fokus.
„Wir wollen die Orgelkörper mit ihren großen Volumina möglichst gut in den Kirchenraum integrieren“, sagt der zuständige Architekt Ulrich Königs aus Köln. „Außerdem wollen wir eine Fassade schaffen, die eine sinnliche Übersetzung von Schallwellen darstellt.“ Die Verkleidung der Orgeltürme bestehe aus wellenförmigen Öffnungen, die als Analogie von Klängen und Tönen zu verstehen seien, so Königs.

„Wenn man die Pfeifen schon nicht sieht, soll es wenigstens von außen musikalisch anmuten“, fügt Lanvermeyer hinzu. Auf den ersten Blick glänze die Fassade silbern, in den wellenförmigen Öffnungen sei eine goldene Färbung erkennbar, so der Pfarrer.
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„Das wurde so noch nirgendwo in Deutschland umgesetzt“
Als Material für die „kiemenartigen Lamellen“, wie Königs sie nennt, wird auf einen besonderen Werkstoff zurückgegriffen: Thermisch gepresste Reishülsen. In Vermischung mit Ölen und Salzen würden die Hülsen unter großem Druck gepresst, erklärt Königs. „Dadurch entsteht ein Werkstoff, der fast wie Holz verarbeitet wird. Das Besondere ist jedoch, dass sich dieser Stoff unter Hitze verformen lässt.“ Eine Verkleidung in dieser Form sei neu, sagt Königs: „Das wurde so noch nirgendwo in Deutschland umgesetzt.“

Die Türme, die derzeit verkleidet werden, sollen später einmal die kleinen und großen Pfeifen des monumentalen Instruments beheimaten, insgesamt sind es 6.850 Pfeifen in 98 Registern. Das braucht Platz – und daher ragen die Orgeltürme mehrere Meter hoch bis ins Gewölbe der Kirche hinein. Zudem reichen sie über die Begrenzung des alten Orgelbodens und „schweben“ somit ins Kirchenschiff hinein.

Um diese Orgel zu bespielen, haben für 2020 bereits namhafte Organisten zugesagt: Am 20. September gastiert der ungarische Organist Zsigmond Szathmary in St. Antonius, und am 20. Dezember kommt Christoph Schoener, Kirchenmusiker an der Hamburger Michaeliskirche, in die Fehnstadt.
Zur Unterstützung der Konzerte und der musikalischen Arbeit wurde in der Pfarrei St. Antonius ein Förderverein gegründet. 24 Euro kostet der Jahresbeitrag zur Konzertförderung. „Wir beschränken uns jedoch nicht nur auf die St.-Antonius-Kirche. Auch in St. Josef oder in Bokel können Konzerte gefördert werden“, so der Künstlerische Leiter Ralf Stiewe.

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Text, Fotos: Micha Kruse

