In der Papenburger Stadtkirche am Untenende wird zurzeit eine gebrauchte Orgel aus Gelsenkirchen eingebaut. Die besteht genaugenommen aus zwei Orgeln, wovon eine unsichtbar ist.
Vier riesige, silbrig glänzende Türme schweben auf und vor der Empore unter der neugotischen Decke in der St.-Antonius-Kirche in Papenburg. So sieht die Walcker-Orgel, die derzeit in der Stadtkirche am Untenende aufgebaut wird, von außen aus.

Die Ansicht – das Prospekt – schimmert zwar metallisch, ist aber aus einem außergewöhnlichen Material: Obwohl bei näherem Hinsehen der Betrachter meint, die Maserung könnte aus Holz sein, ist die Verkleidung aus Reishülsen, sagt der Organist der katholischen Kirchengemeinde, Ralf Stiewe. Also quasi aus „Reisspreu“.
Warum Reishülsen?

Der Konstrukteur der Walcker-Orgel, ein riesiges Instrument mit rund 7450 Pfeifen, habe dieses Material gewählt, erläutert Stiewe weiter. Denn hinter der Verkleidung mit den Lammellen werden die Pfeifen aufgebaut. Holz arbeitet bei Temperaturschwankungen, erläutert Stiewe.
Am schlimmsten aber sei es, wenn sich die Luftfeuchtigkeit erhöhe, weil viele Menschen im Raum seien – und atmen. So entschieden sich die Orgel-Experten für das Material aus Reishülsen.
Preis: 1 Euro

Seit einigen Monaten baut die Orgelfirma Seifert aus Kevelaer (Nordrhein-Westfalen) die Walcker-Orgel in der St.-Antonius-Kirche in Papenburg auf. Die Papenburger Kirchengemeinde hatte es 2017 für einen Euro von der Stadt Gelsenkirchen übernommen. Allerdings dauert es noch 37 Jahre, bis das Instrument den Papenburgern gehört. Und Gelsenkirchener dürfen auch so lange umsonst die Orgelkonzerte am Untenende hören. Die Konzertorgel war 1927 aus der gleichnamigen Werkstatt für das Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen gebaut worden. Obwohl sie von der Firma Seifert restauriert wurde, wurde sie in Gelsenkirchen nicht mehr aufgebaut. Denn nach einer langwierigen Sanierung des Hauses gibt es den Konzertsaal gar nicht mehr.
Weil die Walcker-Orgel aber in der St.-Antonius-Kirche nicht auf die Orgelempore passt, wurde bei einem Architekturwettbewerb, den das Büro Königs in Köln gewann, ausgeklügelt, dass ein Teil der Orgel frei vor der Empore schweben wird. Dieser Aufbau kostet allerdings mindestens eine Million Euro. Davon übernimmt das Bistum Osnabrück 200 000 Euro, die Klosterkammer 100 000, die Stadt 50 000, der Bund 100 000 Euro und die Kirchengemeinde, die rund 9000 Mitglieder hat, übernimmt die bisher restlichen 550 000 Euro.
Komplexer Aufbau

Und der Aufbau des Instruments gestaltet sich laut Pfarrer Franz-Bernd Lanvermeyer komplexer als gedacht. Deshalb wird die Orgel nicht wie ursprünglich geplant von Bischof Franz-Josef Bode aus Osnabrück zu Ostern eingeweiht, sondern am Pfingstsonnabend, 30. Mai, um 17 Uhr. Dafür konnte die Gemeinde Martin Sander, Professor für Künstlerisches Orgelspiel, gewinnen. Er kenne die Orgel bereits aus Gelsenkirchen, sagt Stiewe.
Ralf Stiewe (49 Jahre) ist unter den Organisten der Gemeinde der einzige Hauptamtliche. Der gebürtige Bad Driburger und studierte Kirchenmusiker ist auch Regionalkantor für das Dekanat Ostfriesland, also für die Kirchenmusik in den fünf katholischen Kirchengemeinden zuständig. Er und seine Kollegen, die ehrenamtlich in der St.-Antonius-Kirche spielen, werden sich „mit der Dame noch vertraut machen“, sagt Stiewe fröhlich.
Unsichtbare Orgel
Er freut sich auf die Aufgabe. Der Spieltisch, der vorher auf der Empore über dem Haupteingang stand, wird künftig unten stehen und beweglich sein, sprich: auf Rollen. Der alte sei auch zu klobig gewesen, so Stiewe. Deshalb wird ein neuer gebaut. Auf der Empore das gewaltige Instrument zu spielen, sei auch bei Fortissimo nicht auszuhalten, macht er deutlich. Wobei: Mit der Walcker-Orgel könne man auch „entzückendes Pianissimo“, also ganz zart und leise, spielen.
Die Walcker-Orgel besteht übrigens aus zwei Instrumenten: die kleine Orgel wird im südlichen Querschiff stehen. Denn die 70 Meter lange und 35 Meter breite Stadtkirche, von 1875 bis 1877 erbaut, hat die Form eines Kreuzes. Die kleine Orgel sei in Gelsenkirchen nie zu sehen gewesen, so Stiewe: „Sie stand auf dem Dachboden. Man konnte sie nur hören, nicht sehen.“ Das wird in Papenburg anders sein.
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Text, Fotos: Elke Wieking

