Seit fast drei Wochen arbeiten die Experten der Firma Seifert daran, die Orgel mit ihren rund 6850 Pfeifen in der Papenburger Kirche aufzubauen. Palmsonntag 2020 soll sie eingeweiht werden.
Papenburg – In der katholischen St.-Antonius-Kirche in Papenburg steht ein Kran. Damit hieven die Mitarbeiter der Orgelbaufirma Seifert aus Kevelaer Teile der Walcker-Orgel auf den Orgelboden. Die Kirchengemeinde hatte das Instrument vor zwei Jahren für den symbolischen Preis von einem Euro von der Stadt Gelsenkirchen gekauft.

Seit knapp drei Wochen bauen die Experten die riesige Orgel in der St.-Antonius-Kirche am Obenende auf. Bis Weihnachten soll der erste Teil, der auf dem Orgelboden und davor stehen beziehungsweise hängen wird, fertig sein, teilt Pfarrer Franz-Bernd Lanvermeyer mit. Hinzu komme noch das sogenannte Chorwerk, das dort nicht mehr untergebracht werden könne. Es werde im südlichen Querhaus – die Kirche ist wie ein Kreuz aufgebaut – stehen. Laufe alles nach Plan, werde die Walcker-Orgel Palmsonntag, 5. April 2020, von Bischof Franz-Josef Bode eingeweiht. Palmsonntag ist der Sonntag vor Ostern.
Orgel wurde für eine Million renoviert
Die riesige Saalorgel war 1927 für das Hans-Sachs-Haus in Gelsenkirchen, das das Rathaus ist, von dem Orgelunternehmen Eberhard-Friedrich Walcker gebaut worden. Bei der Sanierung des Hans-Sachs-Hauses, die ab 2001 geplant war und sich über Jahre hinzog, war der Konzertsaal abgerissen worden. Von 2002 bis 2007 war die Orgel aber von der Firma Seifert noch für eine Million Euro renoviert worden. Weil kein Platz mehr im Hans-Sachs-Haus war, wurde sie bei den Orgelbauern in Kevelaer eingelagert – bis 2017 die Papenburger Kirchengemeinde, die rund 9000 Mitglieder hat, sie für einen Euro erwarb.
Von den Gesamtkosten in Höhe von einer Million Euro für den Aufbau fließen vom Bistum Osnabrück 200 000 Euro, 100 000 Euro kommen von der Klosterkammer, 50 000 Euro übernimmt die Stadt Papenburg und noch einmal 100 000 Euro aus einem Bundesprogramm, teilt Lanvermeyer mit. Die restlichen 550 000 Euro muss die Kirchengemeinde selbst tragen. Eine Orgel dieser Größe würde neu rund vier Millionen Euro kosten, weiß der Pfarrer.
Der Aufbau wird spektakulär. Auf dem Orgelboden wird das Instrument zweistöckig hochragen. Weil dort für alle Pfeifen nicht genug Platz ist, werden zwei Pfeifenschränke vor den Orgelboden auf Metallrahmen stehen und zwei weitere von der Hängen hängen, also quasi seitlich des Orgelbodens schweben. Nach Weihnachten soll die Intonation des Instruments beginnen. Um die Saalorgel in der St.-Antonius-Kirche, die mit 70 Meter Länge nicht klein ist, unterzubringen zu können, hatte die Kirchengemeinde 2018 einen Architektenwettbewerb ausgelobt. Den Zuschlag hatte das Architekturbüro Königs aus Köln erhalten.
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Text, Fotos: Eike Wieking

